Sep 142013
 

Schon Anfang August versammelten sich die ersten Jungstörche zum Abflug in den Süden: Ein beliebter Sammelpunkt in Wiesbaden-Schierstein sind die Rheinwiesen aber auch der Fußballplatz in der Nähe des Hafens, wo wir im letzten Jahr eine große Anzahl Jungstörche sahen, die sich dort ganz früh morgens zum Abflug bereit machten, als noch keine jugendlichen Kicker des FSV Schierstein 08 dort Fußball spielten.

An warmen und sonnigen Spätsommertagen nutzen die Störche die gute Thermik aus und steigen kreisförmig bis zu einer Flughöhe von 3000 Meter in den Himmel empor. Störche können  mehrere Kilometer ohne einen Flügelschlag zurücklegen. Sie schaffen Tagesetappen von bis zu 300 km und erreichen dabei eine durchschnittliche Fluggeschwindigkeit von etwa 50 km/h und mehr. Während ihres Zuges in den Süden verbinden sich mehrere aufeinander treffende Schwärme zu einem großen Schwarm mit mehreren tausend Vögeln.

Interessant ist auch, dass sich die Jungstörche ca. 2-3 Wochen vor den Altstörchen auf den Weg machen, sie aber unterwegs von ihnen eingeholt werden. Manche Altstörche bleiben auch ganz hier und überwintern in den Rheinauen zwischen Wiesbaden-Schierstein und Walluf – der ältesten Weinbaugemeinde im Rheingau.

Letzten Januar sah ich bei einer Wanderung einen Altstorch über eine Wiese mitten in der Reblage „Schiersteiner Hölle“ durch den Schnee staksen, hatte aber leider keine Fotokamera dabei! Bei den Fotos sehen Sie aber zumindest einen brütenden Storch in seinem Nest auf einem Turm im Schiersteiner Ortskern.

Es gibt zwei Zugrouten, die der europäische Weißstorch vorzugsweise nimmt. Unsere Schiersteiner Störche wählen die so genannte „Westroute“, die über Süddeutschland nach Frankreich, Spanien, Gibraltar bis nach Westafrika (Marokko, Mauretanien, Senegal, Mali, Niger-Delta) führt und die Störche legen dabei eine Strecke von bis zu 5.000 km zurück!

Die meisten Schiersteiner Störche kommen im Frühjahr dann wieder hierher zurück, was anhand der Beringung der Jungtiere festgestellt werden kann. Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage der Schiersteiner Storchengemeinschaft: http://www.schiersteinerstörche.de/

Vor einigen Jahren wurde im Schaukasten der Storchengemeinschaft Wiesbaden-Schierstein e.V. entlang des Radwanderwegs nach Walluf ein Foto eines Storchs gezeigt, der mit einem afrikanischen Speer im Leib den langen Rückflug von Westafrika nach Schierstein überlebt hatte und hier in einer Tierarztpraxis erfolgreich operiert werden konnte.

Wenn Sie die Altstörche, die hier überwintern, bei einer herbstlichen Wanderung rund um den Hafen oder entlang der Rheinauen selbst beobachten möchten, dann kommen Sie doch einfach mal hier vorbei! 🙂

Hier geht’s zu meinem Blog „Durch die Hölle (Teil 1)“.